Pfarrhaussanierung in vollem Gang

04.06.2014

Ein Pilotprojekt im Auenheimer Pfarrhaus soll nachweisen, dass eine ausgetüftelte Innendämmung genauso effizient sein kann wie die Außendämmung eines Gebäudes. Die Bauarbeiten sind bereits in vollem Gange.

Kehl-Auenheim (ari). „Ohne die Zuschüsse hätten wir das nicht machen können“, sagt Stefan Saecker, Baubeauftragter des Evangelischen Verwaltungszweck-verbandes Ortenau. „Das wäre eine ganz normale Innendämmung geworden.“ Und zwar mit all ihren Tücken und Schwächen: Nicht umsonst raten Experten von einer Innenverkleidung mit Dämmmaterialien ab – Feuchte und Schimmel sind häufig die Folgen von derartigen Sanierungsversuchen.

Von außen sieht man dem Versuchskaninchen nichts an, und so soll es auch bleiben: Während die Fassade des Auenheimer Pfarrhauses unberührt bleibt, wird im Inneren des Gebäudes ein ausgetüfteltes Lüftungssystem gelegt. Foto: Antje Ritzert
Von außen sieht man dem Versuchskaninchen nichts an, und so soll es auch bleiben: Während die Fassade des Auenheimer Pfarrhauses unberührt bleibt, wird im Inneren des Gebäudes ein ausgetüfteltes Lüftungssystem gelegt. Foto: Antje Ritzert

Oft lässt sich ein Gebäude aber nur über eine Innendämmung energetisch aufwerten, weil – wie im Falle des Auenheimer Pfarrhauses – die Fassade denkmalgeschützt ist und deshalb nicht verändert werden darf.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) hat nun einen Zuschuss von 125 000 Euro gegeben, damit in Auenheim ein neu entwickeltes System ausprobiert werden kann. Über eine ausgeklügelte, kontrollierte  Luftführung zwischen Außenwand und Innendämmung soll der Energiehaushalt des Gebäudes so optimiert werden, dass er sich mit dem eines Passivhauses messen kann.

„Wir rechnen mit 40 Prozent Einsparung bei den Heizkosten“, sagt Peter Kuhn vom Kirchengemeinderat Auenheim, der das Projekt vor Ort begleitet. Angesichts der Tatsache, dass die frühere Pfarrerin Anke Doleschal „lieber gefroren als geheizt hat“, sei der Vergleich freilich schwierig. Nichtsdestotrotz geht Kuhn davon aus, dass die Heizung im Pfarrhaus nur noch in strengen Wintern hochgefahren wird. Wenn alles nach Plan läuft, ist das Haus Anfang September bezugsfertig. An die 100 Meter Lüftungsrohre werden sich dann durch die Zwischenräume der Wände und Decken des fast 300 Jahre alten Gebäudes schlängeln. Temperatur- und Feuchtefühler werden in jedem Raum Daten erfassen und an eine zentrale Messstation im Speicher melden. Alle halbe Jahre muss ein Bericht an die DBU geschickt werden. Die Stiftung, die innovative Projekte in Sachen Umweltschutz fördert, erhofft sich von der Auswertung eine Aussage über die Effizienz des Systems. Auch die Evangelische Landeskirche, die für die Bauarbeiten 95 000 Euro ausgibt, liebäugelt mit dem Erfolg des Pilotprojektes: Schließlich stehen viele der Kirchen-Besitztümer, die es noch energetisch zu sanieren gilt, unter Denkmalschutz – mit dem Problem, dass keine Außendämmung aufgebracht werden darf. Wenn sich die Voraussagen des Ingenieurbüros bewahrheiten, dann wäre die hinterlüftete Innendämmung mit Wärmerückgewinnung ein Weg, wie man Denkmalschutz und Wärmedämmung in Zukunft kostengünstig unter einen Hut bringen kann.

VON ANTJE RITZERT

 
 

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