Bekannt wie ein »bunter Hund«

10.09.2014

Anneliese Bogner, ehemalige Chefin des Gasthauses» Barbarossa«, wird heute 95 Jahre alt

Sie ist in Kehl bekannt wie der »bunte Hund«: Heute darf Anneliese Bogner, frühere Chefin des Gasthauses »Barbarossa« und eine waschechte Kehlerin, ihren 95. Geburtstag feiern.

Kehl-Bodersweier. Wenn die ehemalige Chefin des Gasthauses »Barbarossa« mit viel Temperament und Humor aus ihrem Leben erzählt, möchte man sie auf einer Bühne sehen, denn ihre Darstellungen sind bühnenreif. Dabei hatte Anneliese Bogner, die heute im Seniorenstift »Alte Mühle« in Bodersweier lebt, kein einfaches Leben und schon gar kein bequemes.

Als ehemalige Metzgerstochter - die Metzgerei Anselment ihrer Eltern befand sich gegenüber vom Café Rapp - hatte sie früh gelernt, worauf es im Leben ankommt. Praktische Berufe wie Hauswirtschafterin und Köchin gelernt, die höhere Handelsschule absolviert (und wäre fast Bürogehilfin bei der Dresdner Bank in Ulm geworden) - Anneliese Bogner besaß das ideale Rüstzeug, um später mit ihrem Ehemann Willy das Barbarossa zu kaufen. Doch bis es 1943 zu dieser Kriegstrauung kam, musste der Bräutigam erst einmal das Rennen gegen zwei andere Mitbewerber um seine Anneliese machen. Wer mir als erster schreibt, beschloss sie, der wird mein Mann.

Drei Söhne wurden dem Ehepaar geschenkt: Bernhard kam 1949 zur Welt, Walter 1951 und Reinhard 1960. Zwei der Söhne arbeiteten dann später mit im Geschäft, der jüngste Sohn wurde Beamter. Leider ist er vor einem halben Jahr verstorben.

Mit Leib und Seele agierte sie neen ihrem Mann im Barbarossa. Ihre angestellten waren entweder nur drei Tage bei uns beschäftigt, oder das Verhältnis dauerte zwanzig Jahre, erzählte sie temperamentvoll und hat den kritischen Wirtinnen-Blick noch nicht abgelegt. Davon kann sicher die eine oder andere Pflegerin in der Alten Mühle ein Lied singen.

Bis in die 80er Jahre hinein stand Anneliese Bogner hinterm Tresen. Den Stammgästen und den diversen Vereinen, die ihren »Jour fixe« bei ihr hatten, bot sie kontinuierlich ihre guten Rahmschnitzel, Cordon bleu, Spätzle und selbst gemachte Dampfnudeln. Auch die »Barbarossa Platte« war bei den Gästen beliebt. »Die ganze Faschingszeit bin ich nicht im Bett gewesen«, erzählt die alte Dame schmunzelnd. »Vom Schmutzigen Donnerstag bis zum Aschermittwoch wurde durchgearbeitet.«

Bernd Bechtold überbrachte der Jubilarin die Geburtstagsgrüße aus Auenheim
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Rasant im Auto

Bis etwa zum Jahr 2000 fuhr »Oma Anneliese«, wie sie in der Familie von allen liebevoll genannt wird, noch Auto. Sie hatte immer einen rasanten Fahrstil. Reisen und Ausflüge konnte sich die fleißige Frau erst in späteren Jahre leisten. Mit der Mutter einer ihrer Schwiegertöchter fuhr sie in die Schweiz, nach Holland, an Ost- und Nordsee.

Mit 94 Jahren, bevor sie wegen eines Unfalls an der Hand ins Pflegeheim kam, bekochte sie noch die ganze Familie ihres jüngsten Sohnes, bügelte die T-Shirts für ihre Enkel, strickte Socken und wusch manches Wäschestück von Hand - gerne mit der von ihr geschätzten Gallseife. Auch heute hilft sie ab und zu in der Küche des Pfelegeheimes aus, schält Äpfel oder hilft bei Lauchauflauf.

Anneliese Bogner hat einen riesiegen Bekanntenkreis, erhält fast täglich Besuch. Daneben spielt der Fernseher eine wichtige Rolle. Gefeiert wird in drei Etappen: Alle unter einen Hut zu bringen, wäre selbst für »Oma Anneliese« zu anstrengend.

aus: Kehler Zeitung vom 10.09.2014
Von: Susanne Löhr

 
 

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