Eine Auenheimer Ära endet ...

02.10.2014

Er hat Auenheim geprägt wie kaum ein zweiter Rathaus-Chef vor ihm: Nach einem viertel Jahrhundert als Ortsvorsteher und Ortschaftsrat hat Werner Müll seinen Rückzug aus dem Auenheimer Gremium erklärt.

Es war wie ein Schock für mich

Kehl-Auenheim. »Es war ein Schock für mich«, sagt Werner Müll über seine Abwahl als Ortsvorsteher. »Die Art, wie die neue Mehrheit im Ortschaftsrat von Freien Wählern und CDU nach 25 Jahren als Ortsvorsteher mit mir umgegangen ist, ist mitverantwortlich für meinen Rückzug aus dem Ortschaftsrat.«

Rückblende: Müll hatte sich bereits früh im Vorfeld der Ortschaftsratswahl am 25. Mai bereit erklärt, für eine weitere Amtszeit als Ortsvorsteher zu kandidieren. Bei der Auenheimer Wahl bekam die SPD/Bürgerliste dann vier Sitze, die Freien Wähler (FW) vier und die CDUzwei Sitze.

Dass die FW einen Gegenkandidaten aufstellen wollen, »wenn das Dorf der Liste sein Vertrauen ausspricht« (die neue Ortsvorsteherin Sanja Tömmes, FW am 22. Mai in der KEHLER ZEITUNG), habe er, Müll, erst drei Tage vor der Wahl aus der KEHLER ZEITUNG erfahren.

Für ihn eine Überraschung: »Mein Verhältnis zu den Freien Wählern war relativ gut. Ich hatte nicht das Gefühl, dass sie mir nach meinem politischen Leben trachten.«

Nach der Wahl habe er dann den FW angeboten, nur noch bis Ende 2015 als Ortsvorsteher zu amtieren, um seinen Nachfolger einarbeiten zu können. Doch die Freien Wähler hätten ihn »hingehalten«, kritisiert Werner Müll. »Diese Hinhaltetaktik macht es mir unmöglich, in dieser Wahlperiode vertrauensvoll und offen mit der "neuen Mehrheit" umzugehen.«

Als dann Sanja Tömmes in der ersten Sitzung des Ortschaftsrats als FW-Kandidatin antrat, war ihm klar, dass er nicht mehr gewinnen konnte. Ein Rückzug seiner Kandidatur sei für ihn jedoch nicht in Frage gekommen, erklärt Müll. Weil so habe die Kandidatin ja begründen müssen, warum der Ortsvorsteher abgewählt werden muss. Mit »fadenscheinigen Argumenten«, sagt Müll, sei das Votum im Rat dann gegen ihn ausgefallen. Denn, so schreibt Müll in einem Dankesbrief an alle Auenheimer: »Die 25 Jahre, die ich Ihr Ortsvorsteher sein durfte, waren für Auenheim eine überaus erfolgreiche Zeit«. Bei seiner Abwahl, schreibt er weiter, sei es wohl mehr um Personen und weniger um Themen gegangen. »Ob dies dem Wohle Auenheims dient, bleibt abzuwarten.«

Große Enttäuschung

Die Enttäuschung über seine Niederlage, gibt Müll unumwunden zu, sei groß gewesen. »Aber verbittert bin ich nicht, weil ich täglich sehe, was ich zusammen mit dem Ortschaftsrat für Auenheim erreicht habe.« Müll zieht sich also aus dem Ortschaftsrat zurück, der Kehler Kommunalpolitik bleibt er jedoch erhalten - als Sprecher der SPD-Fraktion im Gemeinderat. Der Arbeit dort und seiner Familie, will er sich kkünftig stärker widmen.

aus: Kehler Zeitung vom 23.09.14
von Klaus Körnich

 

Eine Auenheimer Ära endet

Enttäuscht über seine Niederlage sei er schon, sagt der ehemalige Ortsvorsteher Werner Müll im Gespräch mit der KEHLER ZEITUNG, aber nicht verbittert, »weil ich täglich sehe, was ich zusammen mit dem Ortschaftsrat für Auenheim erreicht habe«. Ein Rückblick.

25 Jahre Ortsvorsteher Müll: bessere Luftqualität, Wiederaufbau des Bades, Ganztagsbetreuung, Neubaugebiete

Kehl-Auenheim. Werner Müll (63) kam vor 25 Jahren als Nachfolger von Richard Schneider (ebenfalls SPD) ins Amt des Auenheimer Ortsvorstehers. Al Neuling im Ortschaftsrat wurde er dort »ins klate Wasser« geworfen, erinnert er sich, damals, als in Kehl die Diskussion um die Sondermüllverbrennungsanalage hochkochte.

Seine erste Herausforderung im neuen Amt waren die Badischen Stahlwerke (BSW) Kehl. »Angefangen hat alles in den 80er Jahren mit den Belastungen durch die Schrottvorwärmanlage der BSW und deren hohe Schadstoffemissionen, die die Gesundheit und Lebensqualität der Auenheimer erheblich beeinträchtigt haben. Diese wurde 1989 außer Betrieb genommen.«

Der Druck der Öffentlichkeit und viele Gespräche mit dem Stahlwerk, so Müll, hätten schließlich zum Umdenken bei den BSW geführt. »Sie reduzierten den Ausstoß von Schadstoffen, die Schlauchfilter im Filterhaus wurden optimiert«, erklärt der damalige Ortsvorsteher. Seit dieser Zeit sei »die Kommunikation mit den BSW institutionalisiert«, blickt Müll zurück und zieht eine poisitive Bilanz: »Aus tiefem Misstrauen in die Unternehmenspolitik des Stahlwerks ist in den letzten 25 Jahren eine konstruktive Zusammenarbeit geworden.«

Und die Ergebnisse, so Müll weiter, können sich sehen lassen: »Die BSW produzieren mehr denn je und sichern damit auch viele Arbeitsplätze von Auenheimern und auch bei den Luft- und Lärmbelastungen wurden große Fortschritte gemacht, so dass es sich in Auenheim wieder gut leben lässt.«

Ein Erfolg sei auch der Wiederaufbau des Auenheimer Freibades in den 90er-Jahren gewesen, erinnert sich Müll. Das Bad war 1995 bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Im Gemeinderat gab es nicht wenige Stimmen, die das Bad nicht mehr aufbauen wollten. Kann Kehl sich zwei Bäder leisten?, lautete damals die Frage. Doch letztlich setzten sich die Befürworter eines Auenheimer Freibades durch - unter ihnen maßgeblich: Ortsvorsteher Werner Müll.

Als weitere erfolgreiche Projekte nennt er unter anderem den Ausbau der Grundschule zur Ganztageseinrichtung, die Investitionen in die Sporthalle (600 000 Euro in den vergangenen zehn Jahren) und in den Ausbau der Krippengruppen im Kindergarten, die Erschließung von vier neuen Baugebieten (Werner Müll: »Das Neubaugebiete Beckäcker reicht für die nächsten 20 Jahre«), ein attraktives Gewerbegebiet Auenheim-Süd, die Organisation der 1125-Jahrfeier 2013 und die Eröffnung des neuen Netto-Marktes in diesem Herbst.

»Darauf bin ich stolz«
Mülls Fazit, niedergeschrieben in einem Dankesbrief an die Auenheimer Bürger: »Auenheim hat vieles an Lebensqualität zu bieten, von aktiven und attraktiven Vereinen über reizvolle Landschaften bis hin zum neuen Lebensmittelmarkt. Ich bin stolz darauf, meinen Teil in den letzten 25 Jahren dazu beigetragen zu haben.«

aus: Kehler Zeitung vom 23.09.14
von Klaus Körnich

 
 

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