Gasthaus "Blume" in Auenheim hat wieder einen Besitzerin

09.04.2016

Gasthaus »Blume« in Auenheim hat wieder eine Besitzerin / Wiedereröffnung im Sommer geplant.

Die Legende war tot – doch nun soll sie wieder zum Leben erwachen: Das traditionsreiche Gasthaus »Blume« in Auenheim hat wieder eine Besitzerin. Anfang Juni könnte es wieder seine Tore öffnen.

Hubert Burda war hier schon zu Gast, Alt-Kanzler Helmut Kohl, Finanzminister Wolfgang Schäuble oder der britische Ex-Premierminister Tony Blair. Das Gasthaus »Blume« in Auenheim »berühmt« zu nennen ist fast schon eine schamlose Untertreibung. 230 Jahre lang sind in dem imposanten, denkmalgeschützten Gebäude an der Ortsdurchfahrt Gäste bewirtet worden.

Umso größer war die Bestürzung, als vor einem Jahr bekannt wurde, dass das Haus für immer schließen sollte: Besitzerin Liesel Strasser, inzwischen 79, musste das Geschäft aus Altersgründen aufgeben. In der vierten Generation führte sie das ehrwürdige Haus, und sie stand in der Küche, bis die Gesundheit nicht mehr mitmachte. Von den Kindern ist nur Sohn Jürgen in Auenheim geblieben – doch der hat sich eine Kunstglaserei aufgebaut. Die anderen Kinder hat es nach auswärts verschlagen – und so war kein familieninterner Nachfolger in Sicht. Seit 1. Juli 2015 war die »Blume« geschlossen.

Jürgen Strasser, einer der Söhne der früheren Wirtin Liesel Strasser, übergibt Doris Herr die Schlüssel für das Gasthaus »Blume«.
Jürgen Strasser, einer der Söhne der früheren Wirtin Liesel Strasser, übergibt Doris Herr die Schlüssel für das Gasthaus »Blume«.

Doch nun wird ein neues Kapitel in der langen Geschichte des Hauses aufgeschlagen. Denn Doris Herr ist die neue Eigentümerin. Die gebürtige Schweizerin ist seit über 30 Jahren – mit kurzen Unterbrechungen – in der Gastronomie tätig. Die »Gastronomen-Gene« sind ihr in die Wiege gelegt worden: Schon ihre Großmutter führte ein kleines Hotel, und ihre Mutter arbeitete als »Saaltochter« wie man in der Schweiz eine Serviererin oder Kellnerin nennt.

Im Dezember 2010 zog sie nach Ottenhöfen, wo sie zusammen mit ihrer Tochter das Hotel »Pflug« übernahm und wieder aufbaute. Im Internet stieß sie dann auf die »Blume« – die Chance für sie, ein eigenes Gasthaus aufzumachen. »Das alte Haus, der Kastanienbaum mit dem dicken Stamm, die niedrigen Decken, das viele Holz im und am Haus – das Flair hat mich einfach gefesselt«, sagt sie. 

Viel zu renovieren

Und so griff sie zu – obwohl es viel zu tun gibt. Doch das macht ihr nichts aus. »Ich renoviere gern«, sagt die gelernte Bauzeichnerin. Wasser- und elektrische Leitungen müssen neu verlegt, das Holz des Interieurs abgeschliffen und neu lackiert werden. Die alte Küche muss auch renoviert werden. Da dort die Decke viel zu niedrig war, ist sie für die Zubereitung warmer Speisen nicht mehr genehmigungsfähig. Gekocht werden soll daher künftig in den ehemaligen Stallungen des Gebäudes – die dafür natürlich entsprechend umgebaut werden müssen. 

Geheimrezepte

Im Sommer soll alles fertig sein. »Wir werden es wohl nicht mehr zur Spargel-Saison schaffen«, bedauert Doris Herr. Schade – denn die Vorfreude ist enorm groß. Von den Einheimischen bekomme sie viel Ermunterung, sagt sie. Und kürzlich kamen Leute rein, die das Gasthaus offenbar von früher kannten. »Die hatten gesehen, dass hier Licht brennt. Und so fragten sie, ob sie schon Spargel essen kommen können«, schmunzelt Doris Herr. »Dabei sah es bei uns noch aus wie auf einer Baustelle.« 

Der Spargel – der hat die »Blume« weit über Auenheims Grenzen hinaus berühmt gemacht. Und den könnte es auch künftig wieder geben. Die Chancen stehen gut: Denn die langjährige Köchin Dragica Pavlovic wird wieder mit an Bord sein. »Die bringt wieder ihre Geheimrezepte mit«, frohlockt Doris Herr. Und auch sonst scheint die Vorfreude berechtigt. »Ich will das Haus im Grunde genauso weiterführen wie früher«, sagt sie. Die Speisekarte will sie ein wenig erweitern, »aber es wird wieder überwiegend deutsche Küche geben«, verspricht sie. Und draußen um den alten Kastanienbaum will sie einen Biergarten anlegen. 

Das alte Flair soll jedenfalls erhalten bleiben. »Ich liebe das Knarren der Dielen. Das Alte muss man halt mögen«, sagt Doris Herr. Für die Zukunft ist ihr jedenfalls nicht bange. Zwei größere Veranstaltungen seien schon gebucht, erzählt sie. »Wenn man seine Sache gut macht, dann kann ein Gasthaus auch mitten im Wald liegen – das funktioniert immer. Man muss halt nur mit Leib und Seele dabei sein.«

VON: Michael Müller / AUS: bo.de

 
 

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