Präsentation des Nahverkehrs- und Radverkehrskonzeptes

22.02.2018

Das aktuelle Nahverkehrs- und Radverkehrskonzept wurde von Verkehrsplaner Gericke im Bürgersaal Auenheim der Öffentlichkeit vorgestellt.

Nahverkehrskonzept

Trotz der geplanten veränderten Linienführung der ÖPNV-Busse ab Dezember 2018 soll die Schülerbeförderung in Kehl – und damit auch deren Direktverbindungen – wie bisher stattfinden. Das betonte ÖPNV-Manager Andreas Müller auf der Informationsveranstaltung in Auenheim.

Wie für die restlichen Kehler Ortschaften und die Kernstadt werden sich mit dem neuen Nahverkehrskonzept (wir berichteten) auch für den Kehler Norden einige Änderungen ergeben, falls der Gemeinderat den Entwurf nächsten Mittwoch absegnet. Verkehrsplaner Frank Gericke stellte das Konzept bei einer Bürgerinformationsveranstaltung für die Auenheimer, Bodersweierer, Leutesheimer und Zierolshofener am Dienstagabend im Auenheimer Bürgersaal vor.

Neu für den Norden ist demnach die Linienführung der Busse: Die 403 (Kehl – Auenheim – Leutesheim – Freistett) wird zukünftig über Bodersweier fahren und Auenheim nicht mehr ansteuern. Auch die 301 wird künftig nicht mehr durch Zierolshofen fahren, sondern direkt von Bodersweier über Linx nach Rheinau. Dafür wird es zwei neue Stadtbuslinien geben: eine von Kehl über Auenheim nach Leutesheim und eine über den Korker Bahnhof und Zierolshofen nach Bodersweier.

Alle Ortschaften sollen in der Hauptverkehrszeit (Montag bis Freitag zwischen 6 und 18 Uhr) halbstündig in beiden Richtungen angefahren werden. Montag bis Donnerstag verkehren die Busse darüber hinaus bis 20 Uhr auch noch im Halbstundentakt bis Bodersweier, aber nur noch alle Stunde bis Auenheim und Leutesheim. Ab 20 Uhr (bis früh um 1) kann stündlich ein Anruf-Linien-Taxi (siehe Kasten) bestellt werden. Samstag verkehren die Busse künftig im Einstundentakt bis in die Ortschaften. Außer nach Zierolshofen: Hier müssen die Fahrgäste ab 16 Uhr in Bodersweier ein Anruf-Linien-Taxi rufen. Der Vorteil für die Zierolshofener ist allerdings, dass sie zu den Hauptverkehrszeiten nicht mehr wie bisher über Linx fahren müssen, wenn sie nach Kehl wollen, sondern die neue, direkte Linie nutzen können.

Sonntags sollen die Busse von 10 bis 22 Uhr im Zweistundentakt über die Ortschaften verkehren. Auch das ist ein riesiger Fortschritt im Vergleich zum bestehenden Fahrplan. „Uns war vor allem wichtig, den Busverkehr am Freitag und Samstag attraktiver zu gestalten und die Anbindung zur Tram nach Straßburg zu gewährleisten“, sagte Verkehrsplaner Frank Gericke. Auch die Anzahl der Haltestellen erhöht sich in den Ortschaften: Auenheim bekommt vier statt zwei, Leutesheim fünf statt einer und Bodersweier sechs statt einer.

Der Stadtbusverkehr in Kehl soll attraktiver werden: Die Planer versprechen direktere Wege, kurze und aufeinander abgestimmte Umstiegszeiten sowie eine halbstündige Taktung auch für die Ortschaften.
Der Stadtbusverkehr in Kehl soll attraktiver werden: Die Planer versprechen direktere Wege, kurze und aufeinander abgestimmte Umstiegszeiten sowie eine halbstündige Taktung auch für die Ortschaften.

Die Schülerbeförderung in Kehl soll wie bisher erhalten bleiben. Das versprach ÖNPV-Manger Andreas Müller: „Wo es bisher Direktverbindungen gab, wird es auch in Zukunft Direktverbindungen geben.“ Kritik an der aktuellen Schülerbeförderung kam dagegen von einer betroffenen Rheinauerin Schülerin: „Obwohl zwei Busse nach Freistett fahren, müssen wir uns schon ziemlich zusammentun, damit die Letzten noch reinpassen“, berichtete sie von ihrem täglichen Kampf um einen Platz im Bus. Auch Auenheims Ortsvorsteherin Sanja Tömmes thematisierte das Gerangel auf der Schülerstrecke nach Rheinau. Sie fürchte, dass die neue Taktung ungünstig sei. Nämlich so, dass die Bodersweierer Kinder den 403er-Bus nehmen, den auch die Auenheimer Schüler nutzen, die länger schlafen wollen und sich deswegen für diesen späteren Bus entscheiden. „Und wenn dann noch die Leutesheimer dazukommen, ist das Chaos perfekt“, sagte Tömmes.

Auch für das Gewerbegebiet Auenheim ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Aufgrund der knappen Fahrtzeit der Buslinie Kehl – Leutesheim – Auenheim ist eine permanente Anbindung an den ÖPNV nicht möglich. Nach aktuellem Stand wird das Gewerbegebiet nur mit jeweils drei Verbindungen am Morgen und am Nachmittag bedient. „Uns war der Rendezvous-Halt wichtiger“, sagte Frank Gericke. Dafür solle es aber eine einstündige Taktung für das Anruf-Linien-Taxi geben. „Der Bedarf ist da“, konstatierte Sanja Tömmes. „Wir haben 76 Betriebe im Gewerbegebiet. Wenn die kleinen Anruf-Linien-Taxis nicht ausreichen, dann müssen Busse eingesetzt werden“, verlangte sie.

Die Buslinie 403 soll zukünftig über Bodersweier fahren und Auenheim nicht mehr ansteuern. Stattdessen wird eine neue Linie von Kehl über Auenheim nach Leutesheim eingerichtet.
Die Buslinie 403 soll zukünftig über Bodersweier fahren und Auenheim nicht mehr ansteuern. Stattdessen wird eine neue Linie von Kehl über Auenheim nach Leutesheim eingerichtet.

Anruf-Linien-Taxi (ALT)

Im Unterschied zum derzeitigen Anruf-Sammeltaxi (AST) kann das ALT mit einem normalen Fahrschein oder einer Monatskarte ohne zusätzliche Kosten genutzt werden. Es fährt die offiziellen Haltestellen ab und nicht wie das AST bis zur Haustür. Das ALT hält sich an den vorgegebenen Fahrplan, muss jedoch mindestens eine halbe Stunde vorher telefonisch angefordert werden. Eine einmalige Anmeldung für die tägliche Nutzung ist möglich. Die Betriebszeiten des ALT sind Montag bis Donnerstag von 20 bis 1 Uhr im Einstundentakt.
Eine Bestellung des ALT zu einer anderen Haltestelle als angegeben ist nicht möglich. Für die Zierolshofener heißt das zum Beispiel, dass sie zuerst den Bus vom Kehler Rendezvous nach Bodersweier nehmen müssen und dann das ALT nach Zierolshofen. „Die Linie für das ALT beginnt in diesem Fall in Bodersweier“, erklärte Andreas Müller. „Wie das ALT zu den Linien kommt und was es danach macht, bleibt dem Taxi-Unternehmen überlassen.“

Radverkehrskonzept

Das Radverkehrskonzept der Stadt Kehl stieß in den nördlichen Ortschaften auf großes Wohlwollen. Einige Anregungen und Wünsche gaben die Ortschaftsräte und Bürger dem Verkehrsplaner Frank Gericke trotzdem mit auf den Weg.

Nachdem das Radverkehrskonzept bereits im Kehler Gemeinderat sowie in Goldscheuer und Kork vorgestellt wurde (wir berichteten), erläuterte Verkehrsplaner Frank Gericke seinen Entwurf am Dienstagabend auch in Auenheim im Rahmen einer Bürgerinformationsveranstaltung. Eingeladen waren zudem die Einwohner und Ortschaftsräte aus Leutesheim, Bodersweier und Zierolshofen. 26 der 90 Maßnahmen, mit denen die Stadt die Radverbindungen zwischen der Kernstadt und den Stadtteilen verbessern will, entfallen auf diese vier Ortschaften.

In Bodersweier soll es demnach für Radfahrer auf der Rastatter Straße einen 1,5 Meter breiten Schutzstreifen auf beiden Seiten der Fahrbahn geben. Auf der Leutesheimer Straße kann sich Frank Gericke dagegen ein beidseitiges Parkverbot für Autos von 7 bis 19 Uhr vorstellen, „damit die Radfahrer Platz haben“. Die Idee, dass dieser Bereich zudem eine Tempo-30-Zone werden könnte, ließ er „bewusst offen“.

Auch in Leutesheim ist auf der Badener Straße ein Schutzstreifen für Radfahrer vorgesehen. Allerdings nur einseitig, und zwar aus Richtung Rheinau kommend. „Eine bessere Lösung haben wir dort nicht parat, da die Straße nicht breit genug ist für zwei Schutzstreifen“, sagte Gericke. Einher mit dieser Lösung geht ebenfalls ein Parkverbot von 7 bis 19 Uhr, hier aber nur auf der Gegenseite. Auch die Bodersweierer Straße soll einen Schutzstreifen bis zum Ortsausgang erhalten.
Anders als beispielsweise in Goldscheuer oder Marlen, wo es bereits auf den Hauptstraßen durchgezogene Linien (sogenannte Radfahrstreifen) gibt, wären die Schutzstreifen in den nördlichen Kehler Ortschaften allesamt mit gestrichelten Linien versehen. „Das heißt, Lkw und Busse können diese Streifen mitnutzen“, erläuterte Gericke. Bei Radfahrstreifen darf sich kein Fahrzeug, also auch kein Bus oder Lkw, auf dem Streifen befinden.

Eine Baumaßnahme, die Gericke vorschlägt und die besonders die Leutesheimer freuen dürfte, ist die Asphaltierung des Feldwegs von Leutesheim nach Linx. Diese etwa 2,5 Kilometer lange Strecke ist den „Litzemern“ schon lange ein Dorn im Auge: Seit über zehn Jahren kämpfen sie schon für den Ausbau des Rollsplitt-Weges, auf dem es schon viele Unfälle und Stürze gegeben hat. Ebenso gute Neuigkeiten gab es am Dienstagabend für die Zierolshofener, auch wenn diese Nachrichten wenig mit dem Radverkehrskonzept der Stadt Kehl zu tun haben: Der Landkreis will einen eigenen Radweg an der Verbindungsstraße zwischen Zierolshofen und Bodersweier bauen. Auch die Verlängerung der Grießenstraße Richtung Süden soll in das Radwegenetz des Landkreises eingebunden werden. „Beide Maßnahmen sind in den Haushalt 2019/2020 eingestellt“, verkündete Kehls Tiefbau-Chefin Silke Roder. Ob sie aber schon im nächsten Jahr umgesetzt werden können, sei schwer zu sagen.

In Auenheim soll es auf der Freiburger Straße laut Gerickes Plan einen einseitigen Schutzstreifen für Radfahrer geben, die aus Richtung Leutesheim kommen. „In die andere Richtung hätten wir nur den Mischverkehr anzubieten“, bedauerte Gericke. Das sei zwar nicht die optimale Lösung, aber „ein Schritt in die richtige Richtung“. Auch in Zierolshofen ist die Lage schwierig: Gericke schlug vor, die Grießenstraße mit Tempo 30 zu versehen. Der Zierolshofener Ortsvorsteher Heinz Speck regte zudem an, die Verbindung nach Holzhausen mit in das Radverkehrskonzept aufzunehmen, da sie „die Hauptverkehrsstrecke für Schüler“ sei.

Die Kosten für alle 26 Maßnahmen, die die nördlichen Kehler Ortschaften betreffen, belaufen sich auf 1,2 Millionen Euro. Nächsten Mittwoch wird der Gemeinderat über das gesamte Radverkehrskonzept entscheiden.

Da die Hauptstraßen der Kehler Ortschaften (wie hier in Auenheim) oft nicht breit genug sind, reicht es meist nur für einen Schutzstreifen für Radfahrer auf der Fahrbahn. In der Gegenrichtung haben die Pedalritter das Nachsehen.
Da die Hauptstraßen der Kehler Ortschaften (wie hier in Auenheim) oft nicht breit genug sind, reicht es meist nur für einen Schutzstreifen für Radfahrer auf der Fahrbahn. In der Gegenrichtung haben die Pedalritter das Nachsehen.

Gewerbegebiet Auenheim und Kehler Hafen

Vom Ortseingang Auenheim bis zur B28 soll laut Gerickes Konzept ein straßenbegleitender Zweirichtungs-Radweg auf westlicher Seite hergestellt werden. Dieser führt damit auch zum Gewerbegebiet Auenheim. Für die Otto-Hahn-Straße ist ein beidseitiger Schutzstreifen von 1,5 Metern vorgesehen. Stadtrat Werner Müll (SPD) forderte auch eine Anbindung des Kehler Hafens an das Radwegenetz. „Es gibt dort 5000 Arbeitsplätze“, erinnerte er. Die Lösung, den neuen Radweg an der Kreisstraße über die Kinzigbrücke mit dem Hafen zu verbinden, halte er „für zu komplex“. Stattdessen schlug er vor, den bereits vorhandenen Radweg auf dem Kinzigdamm zu nutzen und diesen über die Hafenzufahrt Ost an den Kehler Hafen anzuschließen.

Ortschaftsratsbeschluss

Der Ortschaftsrat Auenheim hat auf seiner Sitzung am Dienstagabend sowohl dem geplanten Radverkehrskonzept der Stadt Kehl als auch den Plänen zum zukünftigen Nahverkehr ohne weitere Diskussion zugestimmt. Zudem vergab das Gremium die anstehenden Malerarbeiten im Auenheimer Rathaus sowie verschiedene Umbau- und Sanierungsmaßnahmen für den Kindergarten. Ortsvorsteherin Sanja Tömmes verkündete außerdem, dass die Lotto/Post-Filiale im Auenheimer Rathaus zum 31. März schließen wird. Laut Tömmes hat sich der Laden „wirtschaftlich nicht gerechnet“. Für die Post und den Paketdienstleister DHL habe man schon einen neuen Standort gefunden. Da dieser aber noch nicht zu hundert Prozent feststünde, wolle sie sich jedoch noch nicht konkret dazu äußern, so die Rathaus-Chefin.

Tarifgemeinschaft Ortenau

Die Technischen Dienste Kehl sind am Dienstag der Tarifgemeinschaft Ortenau beigetreten. „Das heißt, dass die Kehler Fahrgäste ab Betriebsstart des neuen Systems im Dezember mit einer Fahrkarte sowohl die Tram nach Straßburg als auch alle Stadt- und Regionalbusse und die S-Bahn zwischen Offenburg und Kehl nutzen können“, sagte ÖNPV-Manager Andreas Müller auf der Veranstaltung.

Bericht + Fotos: Antje Ritzert

 
 

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