betreute Jugendwohngruppe Auenheim

17.11.2018

Ihr Weg sollte sie eigentlich nach Berlin führen. Doch jetzt sind Birgit und Frank Bohsung in Auenheim gelandet. Das Ehepaar will im Ortskern eine Wohngruppe für betreute Jugendliche gründen.

„Wir waren bisher immer in Städten unterwegs“, sagt Frank Bohsung. „Aber Auenheim hat uns von Anfang an gut gefallen.“ Und zwar so gut, dass das Lehrer-Ehepaar diesen Sommer ein Haus in der Ortsmitte erworben hat und hier den lang gehegten Traum von einer eigenen betreuten Jugendwohngruppe verwirklichen will. Birgit und Frank Bohsung sind Routiniers, was die Jugendarbeit angeht: Neben vielen Jahren vor der Klasse waren sie in der Jugendhilfe tätig und haben mit Flüchtlingen gearbeitet. Birgit Bohsung hat sich zudem zur Jugend- und Heimerzieherin ausbilden lassen, ihr Mann holt diesen Abschluss jetzt nach.

In der Ortschaftsratsitzung am Donnerstagabend haben die beiden Pädagogen ihre Pläne vorgestellt. Das Haus ist bereits soweit umgebaut, dass das Projekt an den Start gehen kann: Die beiden unteren Geschosse sind für die Jugendlichen vorgesehen, das Dachgeschoss hat einen separaten Eingang und wird von den Bohsungs selbst bewohnt. Mehr als vier junge Menschen mit besonderem Betreuungsbedarf sollen nicht einziehen, bekräftigte Frank Bohsung auf der Sitzung. Das Jugendamt habe bereits signalisiert, dass die ersten Bewohner Ende des Monats kommen könnten. Sie stammen aus Afghanistan und Gambia. Das Konzept der Bohsungs ist auf Menschen ab 16 Jahre zugeschnitten. Nach oben soll es keine Altersgrenze geben. Ziel sei es, die jungen Leute, die kein Zuhause oder eine Flucht hinter sich haben, fit für die Zukunft zu machen. „Wir wollen mit offenen Karten spielen“, begründete Birgit Bohsung ihren Auftritt im Ortschaftsrat. Jeder im Dorf solle wissen, was bei ihnen passiere. Außerdem sei es für sie wichtig, Verbindungen zu knüpfen: „Es ist mein Herzenswunsch, dass die jungen Menschen auch im Dorf ihren Platz finden“, sagte sie.
Eine Familie werden sie für die Jugendlichen nicht darstellen, betonte Frank Bohsung. Vielmehr gehe es um einen geschützten Ort, an dem die jungen Leute lernen, selbständig ins Leben zu kommen.

Haben sich viel vorgenommen: Birgit und Frank Bohsung stellten ihre Pläne für eine betreute Jugendwohngruppe im Auenheimer Ortschaftsrat vor.
Haben sich viel vorgenommen: Birgit und Frank Bohsung stellten ihre Pläne für eine betreute Jugendwohngruppe im Auenheimer Ortschaftsrat vor.

Geplant sind neben Unterricht auch handwerkliche Beschäftigungen in der eigens dafür eingerichteten kleinen Werkstatt. Die Jugendlichen sollen in der Wohngemeinschaft ausbildungs- und praktikumsreif gemacht werden. Die Bohsungs setzen dabei große Hoffnung auf die Firmen im Gewerbegebiet Auenheim-Süd: „Die Lage des Gewerbegebiets ist natürlich ideal für uns“, sagte Birgit Bohsung. 

Das Projekt läuft vorerst unter der Federführung von GESIMA, einem freien und privaten Träger der Jugendhilfe aus Neuried, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, für sogenannte auffällige und schwierigste Jugendliche flexible, einzelfallbezogene und bedarfsgerechte Betreuungsangebote zu entwickeln. „Wir können uns aber gut vorstellen, uns später eigenständig zu machen“, wagte Frank Bohsung bereits einen Ausblick in die Zukunft. 


VON: Antje Ritzert (Text & Bild)

 
 

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