Das neue Nahverkehrskonzept wird vorgestellt

11.02.2016

Das neue Nahverkehrskonzept der Stadt Kehl wird vor allem den Ortschaften nützen. Hier sollen die Busse künftig doppelt so häufig, länger und auch öfter am Wochenende fahren. Frank Gericke und Harald Krapp stellten den Plan für den Bereich „Nord“ am Donnerstag in Auenheim vor.

Kehl-Auenheim. Das neue Verkehrskonzept stößt in den Ortschaften auf großes Interesse: Allein für den Bereich Nord – also Auenheim, Leutesheim, Bodersweier, Querbach und Zierolshofen – waren am Donnerstagabend bei der Präsentation der Zwischenergebnisse des Projekts so viele Zuhörer gekommen wie einen Tag zuvor in der Kehler Innenstadt (wir berichteten). Das verwundert nicht, sind doch die Einwohner der Ortschaften diejenigen, die am wenigsten vom öffentlichen Nahverkehr in Kehl profitieren.
Eine Umfrage der Stadt vor zwei Jahren hat ergeben, dass die Ortsteilbewohner ihrer Busanbindung im Vergleich zu den Kernstädtern ein nicht besonders positives Zeugnis ausstellen, was die Taktung, die Umstiegsmöglichkeiten oder die Erreichbarkeit ihrer Ziele betrifft. Ganz besonders stechen hier die nördlichen Ortsteile hervor: Sie vergaben mit Abstand die schlechtesten Noten.

Doch damit soll Ende 2018 Schluss sein, wenn die Tram bis zum Kehler Rathaus vorgerückt ist. Dann nämlich soll ein neuer Fahrplan dafür sorgen, dass auch die Bürger der umliegenden Dörfer Lust bekommen, öfter in den Bus zu steigen. Frank Gericke, den die Stadt für die Verkehrsplanung beauftragt hat, stellt sich das so vor: „Es wird einen zentralen Umstiegspunkt in der Großherzog-Friedrich-Straße geben, direkt neben dem Tram-Halt. Dort werden sich alle Busse zur gleichen Zeit treffen und nach ein paar Minuten zur gleichen Zeit sternförmig in alle Richtungen wieder abfahren.“ Neu sei zudem, dass künftig alle Busse in Richtung Süden und von dort kommend am Schulzentrum in der Vogesenallee vorbeifahren werden.

Auch die Anbindung der Busse an den Bahnverkehr will Gericke verbessern. Als Beispiel nannte er die Linie 301. Die würde derzeit zwar so ankommen, dass ein Anschluss mit der Bahn Richtung Offenburg und Straßburg gegeben sei. Zurück, also von Straßburg oder Offenburg kommend, müssten die Reisenden aber 20 Minuten auf ihren Bus warten. „Das ist nicht optimal gelöst, an den Minuten wollen wir noch feilen“, sagte Gericke, räumte aber ein, dass die Abstimmung mit der Bahn oder anderen Nahverkehrspartnern eine sehr komplexe Aufgabe sei. Neben der neuen Linienführung soll aber vor allem die Taktung der Busse in den Ortsteilen verbessert werden. Statt wie bisher einmal in der Stunde könnten die Busse alle 30 Minuten fahren, so Gericke. Auch das Zeitfenster, in dem die Busse überhaupt fahren, möchte der Verkehrsplaner bis auf ein Uhr morgens erweitern. Am Wochenende sollen die Busse jede Stunde statt wie bisher alle zwei Stunden abfahren. Für die nördlichen Kehler Ortschaften wäre das neue Konzept ein Riesen-Fortschritt, ist sich Gericke sicher. Allerdings nicht für alle gleichermaßen: Die Zierolshofener werden – nach Stand der Dinge – auch weiterhin das Nachsehen haben. Um nach Kehl zu gelangen, müssten sie wie schon jetzt den Umweg über Linx in Kauf nehmen.

Ein klares Signal an die Stadtverwaltung: Auffallend viele Ortsteil-Bürger, die sich am Donnerstagabend für den künftigen Nahverkehr in Kehl interessierten, nutzen den Bus überhaupt nicht. Sie bescheinigen dem Angebot eine starke Verbesserungswürdigkeit. Foto: Antje Ritzert
Ein klares Signal an die Stadtverwaltung: Auffallend viele Ortsteil-Bürger, die sich am Donnerstagabend für den künftigen Nahverkehr in Kehl interessierten, nutzen den Bus überhaupt nicht. Sie bescheinigen dem Angebot eine starke Verbesserungswürdigkeit. Foto: Antje Ritzert
Das soll sich ändern

Auenheim:
mehr Haltestellen, diese aber alle entlang der Freiburger Straße, halbstündiger Takt werktags und samstags von 6 bis 19 Uhr, danach bis 1 Uhr und am Wochenende alle 60 Minuten

Leutesheim:
mehr Haltestellen, eine neue Verbindung über Bodersweier nach Kehl, Takt wie Auenheim

Bodersweier:
neue Haltestellen, die den gesamten Ort abdecken, Takt im Zentrum wie Auenheim

Querbach:
keine neuen Haltestellen, aber mehr Fahrten

Zierolshofen:
keine neuen Haltestellen, mehr Fahrten, aber weiterhin über Linx

Freilich sind all diese Pläne noch Zukunftsmusik. Allein die Betriebskosten eines solchen Szenarios schätzt Gericke auf zwei Millionen Euro pro Jahr. Diese könnten aber verringert werden, indem man – wo es sich anbietet – kleinere Busse einsetzt oder die Wochenendtaktung wie bisher belässt. Der Gemeinderat soll nach Angaben von Baubürgermeister Harald Krapp noch in diesem Jahr über das Konzept abstimmen.

VON: ANTJE RITZERT

 
 

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