BSW Schlacke-Zwischenlager

18.01.2019

Was als Schlacke-Zwischenlager geplant war, soll nun zum Endlager werden: Die Badischen Stahlwerke stellten ihre Ideen vor, wie sich die Schlacke-Deponie an der EDF-Straße in den vorhandenen Lärmschutzwall eingliedern lässt.

Die Deponie sollte ursprünglich eine Zwischenlösung sein: Als vor fünf Jahren die hauseigenen Schlacke-Lager der Badischen Stahlwerke (BSW) überquollen und sich kaum noch Abnehmer für das Füllmaterial fanden, war die Not groß. Die Stadt Kehl griff den Stahlwerken unter die Arme und vermachte ihnen kurzerhand ein bis dahin brachliegendes Grundstück südlich des Auenheimer Lärmschutzwalls. Darauf konnten die BSW das Material, in dem die Produktionsreste des Werkes gebunden sind, lagern. Vorläufig jedenfalls.

Die Baugenehmigung für die Deponie ist Ende Dezember ausgelaufen. Theoretisch müsste das Unternehmen die Schlacke jetzt abfahren und woanders lagern. Praktisch machen die Stahlwerke aber keinen Hehl daraus, dass sie den riesigen Abfallberg lieber an Ort und Stelle belassen möchten. Zwar habe sich der Schlacke-Markt im Vergleich zu früher um einiges entspannt. „Aber die 160 000 Tonnen wegzubringen, wäre für uns problematisch“, sagte der Technische Leiter der BSW, Reiner Hagemann, am Donnerstagabend auf der Auenheimer Ortschaftsratsitzung.

Um das Gremium für die Idee zu erwärmen, aus dem Zwischenlager ein Endlager zu machen, hatte Hagemann Zeichnungen im Gepäck, wie die Deponie gestaltet werden könnte. Das Prinzip ist das gleiche wie beim angrenzenden Lärmschutzwall: etwas Magerboden drauf, ein paar Bäume und Sträucher gepflanzt, drei, vier Wege angelegt, vielleicht noch die eine oder andere Aussichtsplattform gebaut – und fertig ist der Naherholungspark. Auch der Lärmschutzwall, der mit Schlacke aufgeschüttet worden war, um die Geräuschkulisse der Stahlwerke für die Einwohner von Auenheim erträglicher zu machen, entstand auf diese Weise.
Dass die Schlacke derzeit toxikologisch unbedenklich ist, steht außer Frage. Die Reststoffe aus der Stahlerzeugung sind fest in den dunkelgrauen Gesteinsbrocken gebunden. Ob das Material auch in zwei- oder dreihundert Jahren noch genauso unauflösbar ist, wird sich herausstellen. Die ältere Schlacke, mit der große Teile des Gewerbegebiets Süd unterfüttert sind, ist jedenfalls nicht ganz unproblematisch: Über die Jahre hinweg ist das Material unterschiedlich stark aufgequollen und hat dadurch die Standsicherheit darüberliegender Gebäude gefährdet. Der Sozialtrakt des Betriebshofs Nord musste bereits abgerissen werden.

Was wie die Verlängerung des Lärmschutzwalls aussieht, soll auch eine werden: Die BSW liebäugeln mit der Zusammenführung von Damm (linker Bereich mit Funkmast) und Schlacke-Zwischenlager (graue Masse rechts).
Was wie die Verlängerung des Lärmschutzwalls aussieht, soll auch eine werden: Die BSW liebäugeln mit der Zusammenführung von Damm (linker Bereich mit Funkmast) und Schlacke-Zwischenlager (graue Masse rechts).

Dass die Schlacke-Deponie wie ihre große Schwester nebenan die Lärmimmissionen senkt – diesen Zahn zog Reiner Hagemann dem Ortschaftsrat: „Ich bezweifle, dass der Wall messbare Veränderungen für Auenheim erzielen wird, dafür ist er zu weit südlich von der Ortschaft“, sagte er. Seinen Vorschlägen zufolge könnte die neue Halde mit dem Lärmschutzpark verbunden werden. Dadurch ließe sich auch der bestehende Mountainbike-Parcours erweitern. Luft nach oben gäbe es auch noch: Ausgelegt ist die Deponie für 200 000 Tonnen, aktuell lägen 160 000 Tonnen auf dem Gelände. „Wenn wir noch etwas obendrauf fahren dürfen, sind wir sicherlich nicht böse“, ließ Hagemann durchblicken.

Über die Genehmigung für das Endlager muss der Kehler Gemeinderat beschließen. Der Ortschaftsrat Auenheim hat lediglich ein Anhörungsrecht. Da er am Donnerstag mangels anwesender Mitglieder nicht beschlussfähig war, konnte keine Entscheidung getroffen werden. Kritik an den Plänen wurden nicht laut.


Bericht & Bild von: Antje Ritzert

 
 

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